#8 Wenn Mitarbeiter:innen ihre Stärken selbst nicht kennen

Wenn Mitarbeiter:innen ihre Stärken selbst nicht kennen
Beitrag von Wilma Klaasen-van Husen

Agilität unplugged

Folge 8 - 07.05.2026

Wenn Mitarbeiter:innen ihre Stärken selbst nicht kennen

In dieser Folge erzählt Wilma von einer Mitarbeiterin, die ihre eigenen Stärken nicht mehr sieht. Über Jahre hinweg hat sie alles erledigt, was niemand sonst haben wollte: Datenpflege, Ablage, Zeiterfassung, Vertretungen. Niemand hat gefragt, was sie eigentlich kann. Und sie hat irgendwann aufgehört, es selbst zu wissen.

„Eigentlich bin ich ganz zufrieden. Ich habe keine Wünsche.”

Dieser Satz fällt im ersten Gespräch – und er ist kein Zeichen von Glück. Er ist das Ergebnis von Jahren, in denen sich niemand wirklich für sie interessiert hat.

Dann kommt der Moment: HR und IT verzahnen sich, eine komplexe Schnittstelle muss jemand übernehmen. Benutzerverwaltung, Zutrittskontrolle, Stammdaten, Zeiterfassung, Stellenplan. Wilma wählt sie. Die Reaktion:

„Das kann ich nicht.”

Was folgt, sind sechs Monate intensive gemeinsame Begleitung, Schritt für Schritt, Fall für Fall. Keine Schulung, keine Workshops. Nur echte Aufgaben, echtes Zutrauen, echte Fehlertoleranz. Am Ende ist diese Mitarbeiterin die Expertin im Haus. Die Teamdynamik kippt. Der Fußabtreter-Mechanismus endet.

Fabian ordnet ein, was das mit agiler Führung zu tun hat: Growth Mindset, Pygmalion-Effekt, Selbstwirksamkeit nach Bandura, Shu-Ha-Ri, Servant Leadership. Und warum agile Haltung hier mehr bedeutet als jedes Framework.

Und dann folgt ein Gespräch mit der Geschäftsführung. Worum es geht und was daraus wird – das erzählen wir in #9 Was machen Sie eigentlich noch?

Hör rein, bewerte den Podcast und abonniere, damit du Folge 9 nicht verpasst.

Weiterführende Literatur zu dieser Folge

Pygmalion-Effekt

Der Pygmalion-Effekt beschreibt, wie die Erwartungen von Führenden oder Lehrenden das tatsächliche Leistungsniveau von Menschen signifikant beeinflussen – unabhängig von objektiven Ausgangsbedingungen.

Rosenthal, R., & Jacobson, L. (1968). Pygmalion in the Classroom. Holt, Rinehart & Winston.


Selbstwirksamkeit (Bandura)

Vertrauen in die eigene Fähigkeit, eine Aufgabe erfolgreich zu bewältigen. Entsteht vor allem durch erlebte eigene Erfolge, nicht durch Zuspruch.

Bandura, A. (1997). Self-efficacy: The exercise of control. W. H. Freeman.

Rollen im agilen Coaching – Teacher, Mentor, Coach, Facilitator (Adkins)

Konzept von vier Grundrollen, die in der Begleitung bewusst gewechselt werden – je nach Bedarf der Person und Situation.

Adkins, L. (2010). Coaching Agile Teams. Addison-Wesley.

Growth Mindset (Dweck)

Die Überzeugung, dass Fähigkeiten durch Lernen und Anstrengung wachsen können – Gegenpol zum Fixed Mindset.

Dweck, C. S. (2006). Mindset: The New Psychology of Success. Random House.

Psychologische Sicherheit (Edmondson)

Geteilte Überzeugung in einer Gruppe, dass Fragen stellen, Fehler zugeben und Widerspruch äußern ohne negative Konsequenzen möglich sind.

Edmondson, A. (1999). Psychological safety and learning behavior in work teams. Administrative Science Quarterly, 44(2), 350–383.

Servant Leadership (Greenleaf)

Führungsverständnis, in dem die Führungskraft primär den Menschen dient, die für und mit ihr arbeiten, und deren Entwicklung ins Zentrum stellt.

Greenleaf, R. K. (1977). Servant leadership: A journey into the nature of legitimate power and greatness. Paulist Press.

Shu-Ha-Ri als Lernprinzip

Dreistufiger Lernweg aus der Kampfkunst: erst Regel befolgen, dann anpassen, schließlich verinnerlichen und zur eigenen Regel werden.

Cockburn, A. (2008). Agile Software Development: The Cooperative Game (2nd ed.). Addison-Wesley.

Führungsspanne und Entwicklungsarbeit

Die Anzahl der direkt geführten Mitarbeitenden einer Führungskraft – zu große Spannen erschweren echte individuelle Entwicklungsarbeit strukturell.

Urwick, L. (1956). The manager’s span of control. Harvard Business Review, 34(3), 39–47.